Warum investieren Unternehmen eigentlich in Design? Lohnt sich das? Wir haben bei Menschen, die auf Gestaltung Wert legen, nachgefragt.

Das Interview

Das KANT-Magazin ist auffällig gut gestaltet und thematisch betont breit gestreut. Das ist in der Finanzbranche nicht unbedingt der Normalfall. Wie kam es zu dem Entschluss, mit einem Magazin für Truscon zu werben, welches Themen beinhaltet, die nicht ausschließlich mit dem Finanzmarkt zusammenhängen?

Truscon steht für Aufklärung. Mit KANT möchten wir verdeutlichen, dass der Finanzmarkt mit Themen verkoppelt ist, die uns alle betreffen. Wir wollen aufzeigen, dass Geld ein Instrument zur Gestaltung von Lebensbedingungen ist. Natürlich könnten wir auch ein Magazin nur mit Finanzthemen entwickeln, Produkte vorstellen und ähnliches, aber das entspräche nicht unserer Firmenphilosophie.

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Was ist das Ziel von KANT?

Wir sagen immer: KANT muss kantig sein. Was heißt „kantig“? Das bedeutet für uns, dass ein Thema etwas Bestimmtes verdeutlichen muss und somit eine klare Botschaft vermitteln soll. Diese Botschaft ist dann allgemeingültig. Wir haben uns in der Ausgabe zum Thema Spaß unter anderem einem sehr besonderen Bestattungsinstitut in Hannover gewidmet. Die Menschen, die dort arbeiten, sagen: „Wir haben Freude an unserer Tätigkeit, weil wir anderen Raum für ihre Trauer geben“. Eine solche Aussage hat eine starke Kraft, weil es um den Anderen geht, und diese Haltung zeigt einen guten Kontakt zwischen Menschen. Diese Kraft benötigen wir in jedem Bereich, aber eben besonders in der Finanzbranche – heute mehr denn je. Das Ziel von KANT ist, an diese übergeordneten Werte heranzukommen, und sie dann wiederum auf unsere Branche zu übertragen.

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Sind die gestalterische Ausrichtung und die thematische Gewichtung des Magazins das Ergebnis einer Zielgruppenrecherche oder entspringen sie eher dem eigenen Stilempfinden?

Uns ist wichtig, dass KANT das Unternehmen widerspiegelt und die Arbeit, die wir hier machen. Wir wollen keine Botschaften vermitteln, die von Menschen gemacht wurden, die dieses Unternehmen nicht kennen. Das Ergebnis von solchen Prozessen ist oft, dass eine Oberfläche aufgebaut wird, die aber mit dem Kern der Sache nichts zu tun hat. So wird die sogenannte „Zielgruppe“ dann auch nicht in der Tiefe angesprochen. Um einen Weg zu finden, etwas über die Werte von Truscon zu erzählen, haben wir ein Team von freien Mitarbeitern zusammengestellt. Wir sind in ständigem Austausch mit ihnen. Der strategische Planer Kim Birtel und die Chefredakteurin von KANT, Ina Kaifi, sind einmal in der Woche im Unternehmen. Auch mit dem Fotografen Klaus Westermann stehe ich in engem Kontakt, genau wie mit dem Designbüro 2erPack, das für die Gestaltung verantwortlich ist. Es ist wichtig, Kommunikation als Fluss zu betrachten, auch hier darf keine Entkopplung stattfinden. Und so entstehen dann Themen: Wir erarbeiten sie uns gemeinsam. An diesem Prozess sind auch viele Menschen, die hier bei Truscon arbeiten, beteiligt. Sie schreiben Artikel, haben Ideen, bringen sich ein. Es geht also bei KANT um das Design unserer Unternehmensphilosophie, inhaltlich wie gestalterisch. Daran arbeiten wir so lange, bis es der Idee entspricht.

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Wie wird das KANT-Magazin von Kunden aufgenommen? Gibt es auch negative Reaktionen?

Wir bekommen von unseren Kunden sehr gute Rückmeldungen bezogen auf KANT. Heute zum Beispiel habe ich drei positive Feedbacks von Lesern erhalten. Natürlich gibt es auch manchmal Kritik – oder Menschen, die mit KANT nichts anfangen können. Sehr häufig kam z.B. die Bitte, mehr Finanzthemen im Magazin mit aufzunehmen – was wir in der nächsten Ausgabe auch erstmalig umsetzen werden. Manche fragen auch: Warum macht ihr KANT? Dies ist dann eine gute Gelegenheit, die Idee hinter KANT zu vermitteln. Wenn man im Finanzmarkt eine ungewöhnliche Position einnimmt, weil man sich mehr für Inhalte als für Werbebotschaften interessiert, wird dies doch auch am besten durch ein „ungewöhnliches“ Marketing widergespiegelt.

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Hat das Magazin die interne und externe Firmenkommunikation (Website, CI) beeinflusst? Haben die Lektionen aus dem Themenmix vielleicht sogar die Kundengespräche verändert?

Auf jeden Fall! Durch KANT entwickeln wir uns weiter, das lässt sich zweifellos über jede Ausgabe sagen. Die Arbeit an KANT ist ein sehr intensiver Prozess. Das empfinden alle Beteiligten ähnlich. Wenn wir uns beispielsweise mit dem Thema „Lernen“ auseinandersetzen, dann begreifen wir das als einen eigenen Lernprozess. Wo stecken die wirklichen Lernfelder in uns selbst? Wo müssen wir noch üben? Zu diesem Thema haben wir z.B. auch ein Wochenend-Seminar für Gewaltfreie Kommunikation besucht und uns intensiv damit beschäftigt, welche der Einsichten wir in unsere Arbeit einbringen können. Hier wird es interessant – denn KANT fängt dann an, uns allen etwas beizubringen und bekommt eine Eigendynamik. Das trägt sich weiter, wenn es an die Fotoproduktion und die Gestaltung geht. Inwiefern KANT dann tatsächlich Kundengespräche verändert, lässt sich natürlich schwer sagen, da dies eine sehr subtile, langfristige und kaum messbare Angelegenheit ist. Ich bin mir aber ganz sicher, dass KANT unsere Wahrnehmung schärft – und das bringt dann auch unsere Kunden weiter. Das Team, das KANT produziert, ist auch für die weitere Kommunikation verantwortlich, so dass sich alles gegenseitig bedingt. Die Antwort auf Ihre Frage in einem Satz: Wenn KANT nicht auch uns verändern würde – und damit unsere Kommunikation nach innen und außen – wäre es überflüssig.

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Wie involviert sind die verschiedenen Ebenen bei Truscon im Design-Prozess und bei der Auswahl und Reflektion der Inhalte?

An der Themenfindung sind wir grundsätzlich alle beteiligt, im Laufe der Produktion kristallisieren sich dann einige Truscon-Mitarbeiter heraus, die intensiver mitwirken, zum Beispiel, wenn sie ein Thema bearbeiten. Es gab in der Vergangenheit bereits Artikel von Finanzberatern, von einem unserer Gesellschafter und auch von der Leiterin des Empfangsteams. Ich freue mich über jeden, der sich einbringen möchte und wir unterstützen ihn darin. Nach Erscheinen des Magazins gehen wir sehr selbstkritisch mit uns ins Gericht. Wir besprechen jede Ausgabe intensiv in einer großen Runde. Außerdem fragen wir uns – und alle unsere Mitarbeiter per Fragebogen: Wo ist der Bezug zum Finanzmarkt? Jeder Mitarbeiter sollte den Spirit des Magazins aufnehmen und transportieren können.

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Welches sind die weiteren Pläne? Gehen die großen Themen jemals aus?

Nein, es wird immer spannende Geschichten zu erzählen geben. Im aktuellen KANT (Thema Lernen) berichten wir über Peter Wohlleben, einen Förster, der sich von dem konventionellen Forstsystem abgewendet hat und darauf setzt, dem Lauf der Natur zu folgen – wofür man sehr viel Geduld benötigt. Er richtet sich gegen den Trend, schnelle Erträge zu erwirtschaften, die dem Wald langfristig schaden. Was hat das mit Finanzen zu tun? Eine Menge! Denn auch hier brauchen wir einen langen Atem, müssen intensiv beobachten, Zyklen erkennen, manchmal innehalten. Es gibt fast überall Querverbindungen. Das heißt aber nicht, dass Themen beliebig sind – im Gegenteil: Das Spezielle, den Visionär, den Provokateur zu finden – das ist Aufgabe von KANT.

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Erklärt KANT den Finanzmarkt?

Nein. Jedoch weisen fast alle Themen bei genauerem Hinsehen einen Bezug zum Finanzmarkt auf. Die Welt – vor allem die Finanzwelt – kann man aber nicht in Excel-Tabellen ausdrücken. Das Einzige, was wir tun können, ist, Verbindungen aufzuzeigen. Wenn wir alle besser vernetzt wären, könnten wir auch besser verstehen, inwiefern etwa die politische Situation in Afrika mit unserer Wirtschaft verknüpft ist. Viele wollen nachhaltig investieren, aber sie wissen nicht, wie. Ich habe mich in letzter Zeit stark mit ökologischen Finanzprodukten auseinandergesetzt und festgestellt, dass diese Branche unter diesem Deckmantel viel Zerstörung angerichtet hat. Auch Anleger wollten „Gutes tun“, haben aber unter Umständen zur Verschlimmerung der Zustände beigetragen. Ich könnte stundenlang über dieses Thema referieren, aber mir reichen ein paar Minuten, um jemandem zu erklären, warum es nicht gut ist, in eine bestimmte Geldanlage zu investieren. Diese Art der Aufklärung sehe ich als unseren Auftrag. Und KANT trägt dazu bei, diesen Auftrag zu erfüllen.

9.Februar 2012: Interview mit Frank Sadowsky von Truscon Financial Guide in Hamburg.